DAX-Korrektur für Profis noch nicht abgeschlossen
Stimmungsindikator zum DAX-Index
Fast auf den Tag genau einen Monat ist es nun her, dass eine kleine Eruption die Börsenseismographen weltweit zum Ausschlagen brachte. Die wirklichen Ursachen dieser, nennen wir es einmal „Schockwelle“, sind bis dato immer noch nicht vollständig geklärt. Dagegen sind die Auswirkungen dieser Verkäufe längst verarbeitet. Viele Aktienmärkte sind inzwischen zur Tagesordnung übergangen oder liegen gar schon wieder weit über den Kursspitzen im Februar, wie beispielsweise der Shanghaier Aktienindex, der ja angeblich an allem Schuld war. Einigen Marktteilnehmern scheint Letzteres aber noch nicht ganz bewusst geworden zu sein. Die Stimmung unter deutschen Institutionellen hat sich sogar wieder deutlich verschlechtert. Das Lager der Bären hat nun fast mit dem der Optimisten gleichgezogen. Der Bull/Bear-Index liegt nur noch ganz knapp über der 50-Prozent-Marke und steht kurz vor einem Abrutschen in pessimistisches Terrain.
So viel Skepsis erstaunt, besonders wenn man die jüngste Entwicklung des DAX® betrachtet. Pessimisten erhielten seit Mitte März gleich zwei Hinweise, dass es mit der strukturellen Stärke des deutschen Aktienmarktes viel besser steht als man zu Beginn des Monats noch vermutete. Vor zwei Wochen, als der DAX innerhalb von 48 Stunden unter sein erstes Korrekturtief sauste, sah für zahlreiche Marktbeobachter und Analysten die nahe Zukunft ziemlich düster aus. Diese Haltung hatte sich prompt auf unsere Panel-Mitglieder übertragen. Weniger durchgesetzt hat sich hingegen die Erkenntnis, dass der Markt gar nicht mit Entsetzen auf das neue Korrekturtief reagierte und keine 24 Stunden später wieder zu einer fulminanten Erholung ansetzte. Dabei bedeutete diese Entwicklung, dass keiner mehr zwingend verkaufen musste! Ebenfalls heruntergespielt oder gar komplett ausgeblendet wurde die Tatsache, dass der DAX sich diesmal noch wesentlich stärker erholen konnte als beim ersten Versuch, der bei zirka 6.750 Punkten sein Ende fand. Diesmal schmolz die Distanz zur 7.000er Marke auf gerade einmal 100 Punkte; der Abstand zum Sechsjahreshoch betrug nur noch schlappe zwei Prozent. Mit anderen Worten: Das März-Korrekturkapitel ist eigentlich abgeschlossen.
Gewürdigt wurden diese Leistungen, die nach den vorangegangenen Torturen nicht gerade selbstverständlich sind, leider überhaupt nicht. Stattdessen nölen die Marktteilnehmer über Umsatzrückgänge im deutschen Einzelhandel oder warnen vor steigenden Zinsen in der Eurozone, obgleich dies schon seit längerem antizipiert wird. Auch die jüngsten Warnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), der wachsende Risiken für die Stabilität der Finanzmärkte ausmachte, wurden von Pessimisten wohlwollend aufgenommen. Und seit der Inhaftierung von 15 britischen Soldaten durch die iranische Marine, schwirren ständig immer neue Gerüchte um eine drohende militärische Auseinandersetzung im Markt herum, die nicht ganz spurlos am Rohölpreis vorübergegangen sind.
Die befragten Investmentprofis sind ein wenig zu sehr in die Defensive gerückt. Sie betrachten das relativ hohe Kursniveau als Chance zum Aufbau günstiger Absicherungen, die sie in dieser Form eigentlich vor einem Monat gebraucht hätten. Zudem bewerten sie schlechte Nachrichten offensichtlich stärker als positive und ignorieren, dass neue Jahreshochs schon wesentlich schneller ein Thema sein können als neue Jahrestiefs. Sollte der DAX die Lücke zum Jahreshoch kurzfristig schließen, befänden sich die Akteure in der Zwickmühle. Vermeintlich günstige Absicherungen kämen sie dann teuer zu stehen.
Gianni Hirschmüller, cognitrend
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Profis ?
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.