Archive for July, 2009

Liebe Leser,

das Undankbarste an der Börse ist das Verpassen von starken Rallybewegungen. Häufig liegt dies schwerer im Magen, als Verluste. Der Hintergrund ist, dass kräftige Aufwärtsbewegungen das Depot binnen weniger Wochen extrem weit nach vorne bringen können. Wenn man das Risikomanagement in den Griff bekommen hat, dann stellen beispielsweise Abwärtswellen kein größeres Problem mehr da, weil die Positionseröffnungen sehr risikoavers erfolgen. Unter dem Strich verliert das Depot nur leicht oder gar nicht an Wert. Die Rallyphasen sind die wichtigsten Perioden in einem Jahr. Sie treten nicht oft auf, dafür verlaufen sie sehr explosiv. Die Partizipation an einer mehrwöchigen Aufwärtsbewegung kann das gesamte Jahresziel bei der Performance sichern!

Ich persönlich hasse es starke Aufwärtsbewegungen zu verpassen. Wenn der Markt stabil ist, dann fahre ich eine gemischte Strategie. Zum einen halte ich mittelfristige Positionen im Depot und zum anderen werden kurzfristige Trading-Positionen hinzugemischt. Bei den mittelfristigen Werten handelt es sich um fundamental günstig bewertete Unternehmen, die eine gute Story bieten! Ganz wichtig ist hier der fundamentale Hintergrund, weil sich nur so ein Trend über mehrere Quartale einstellen kann. Es bedarf eines “value drivers”! Ich setze ein großzügigeres Stoppniveau und habe damit immer einen Fuß im Markt.

Außerdem halte ich ausgewählte Trading-Positionen. Hier mache ich mir den Strategiezyklus zu Nutze. Es gibt immer Perioden wo ein bestimmter Trading-Stil bevorteilt wird. Das kann das Momentum-Trading, antizyklische Momentumtrading, oder Reboundtrading sein. Ich beobachte täglich den Markt und kann dadurch erkennen, welcher Stil zu Kursgewinnen führt. Man muss hierbei Fingerspitzengefühl zeigen, weil ein Strategiezyklus binnen eines Tages enden kann. Während gerade das Traden von Ausbrüchen funktioniert, kann es am nächsten Tag eher Sinn machen Momentum-Aktien nach starken Intraday-Konsolidierungen (antizyklisches Momentum-Trading) zu kaufen.

Aktuell erzielt man hervorragende Ergebnisse mit Momentum-Aktien. Ich konzentriere mich beim kurzfristigen Trading auf Werte, die hohen Aufwärtsdrang zeigen. Das dürfte noch solange anhalten, wie der Markt nicht nennenswert über die Kursachse konsolidiert.

Ein gutes Beispiel für eine derartige Aktie ist Grammer. Ich hatte vor einigen Tagen im Premium-Blog ausgeführt, weshalb mir die Aktie gefällt.

Mit Audi und BMW fahren die ersten Premium-Hersteller ihre Produktion auf ein normales Niveau hoch. Auto-Aktien, aber auch die Zulieferer konnten in den letzten Tagen starke Kursgewinne verbuchen - siehe Continental, ElringKlinger, Rheinmetall. Nachdem die erste und zweiten Reihe gelaufen ist, könnten sich der Markt nun auf die Smallcaps konzentrieren. Grammer ist ein Spezialist für Sitze und beliefert vor allem die Premium-Hersteller. Wenn diese ihre Produktion hochfahren, dann müsste Grammer davon profitieren - zumal BMW und Audi zum Kundenkreis gehören.

Der Vorstand selbst sah zuletzt eine eher länger anhaltende Krise, weshalb man das Break-Even Niveau auf einen Umsatz von 650 bis 700 Mio. Euro senken will. Die Nettoverschuldung ist mit rund 90 Mio. Euro überschaubar. Der um das immaterielle Vermögen bereinigte Buchwert liegt bei knapp 11 Euro - woran sich der hohe Pessimismus für das Unternehmen zeigt, obwohl man die Krise im Q1 ganz gut meistern konnten.

Die Aktie zeigt leichte Aufwärtstendenz. Kommt Kaufdruck rein, kann man eine spekulative Trading-Position riskieren.

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