Archive for Mai, 2010

Liebe Leser,

immer wenn eine Technologie die Welt verändert, wird es neue Unternehmen geben, die wie aus dem Nichts emporsteigen und sich innerhalb weniger Jahre eine bedeutende Marktposition erarbeiten. Vor 15 Jahren kannte niemand Amazon, ebay oder Google. Zehn Jahre später sind diese Unternehmen zu dominanten Marktführern aufgestiegen.

Am Freitag hielt ich zum ersten Mal das iPad in den Händen. Ich wollte es nicht in den USA kaufen, sondern hatte es im Apple-Store vorbestellt. Ohne Zweifel: Darauf hat die Welt gewartet! Steve Jobs hat ein Produkt entwickelt, das den Menschen das Leben erleichtert und die Meisterleistung besteht darin, dass es die Menschen vorher noch nicht wussten, so ein Produkt überhaupt zu benötigen. Genau das zeichnet schöpferisches Unternehmertum aus: Mit neuen Produkten neue Anwendungsmöglichkeiten erschließen. Wir müssen zu dem Thema auf jeden Fall etwas machen, liebe Leser. Die Entwicklung von passenden Inhalten für das Ipad oder vergleichbare Geräte, die noch kommen werden, steht erst am Anfang.

Wir müssen die Aktien aller Unternehmen, die mit mobilen Applikationen ihr Geld verdienen, gut beobachten. Bei einem Trend wie dem iPad wird jeder Großkonzern dabei sein wollen und dementsprechend groß sind die Budgets für Investitionen. Wenn eine Firma mit iPad-Inhalten oder Services gutes Geld verdient, wird es uns der Börsenticker offenbaren.

Yoc
Yoc

Bob Mobile
Bob Mobile

Convisual
Convisual

Liebe Leser,

John Maynard Keynes hat mit seiner “General Theory” ein Meisterwerk in der Geschichte des ökonomischen Denkens hinterlassen. Das Problem ist nur, dass sich heutzutage viele Politiker auf Keynes berufen, aber offenbar überhaupt nicht wissen was der Brite eigentlich geschrieben hat. Anders ist die Verwandlung der EU-Führungsspitze von Keynesianern zu Antikeynesianern innerhalb von nur zwei Jahren nicht zu erklären. Die wichtigste Erkenntnis von Keynes war die Beweisführung, dass fallende Preise und fallende Löhne in rezessiven Phasen nicht etwa zu einem neuen wirtschaftlichen Gleichgewicht führen, wie es die Klassiker propagierten, sondern dass fallende Löhne Kräfte erzeugen, die das System weiter in die Tiefe ziehen. Das war auch der Fehler den Reichskanzler Brüning Anfang der 1930er Jahre machte. Er reagierte auf die aufziehende Weltwirtschaftskrise mit einer staatlich verordneten Lohnsenkung. Das Resultat war eine Arbeitlosenquote von über 30%.

Genau so wie Brüning machen es jetzt die europäischen Staatslenker. Vor zwei Jahren haben sie hunderte von Milliarden Euro in den Wirtschaftskreislauf gepumpt, um die aggregierte Nachfrage zu stabilisieren und jetzt praktizieren sie plötzlich genau diejenige Wirtschaftspolitik, die Keynes als großen Fehler zu enttarnen wusste. Die richtige Vorgehensweise wäre folgende: Erstens müssen die Budgets der einzelnen Ministerien nicht gekürzt, sondern auf dem jetzigen Niveau eingefroren werden. Zweitens muss die EZB Staatsanleihen aller europäischer Staaten aufkaufen und ankündigen den Leitzins über längere Zeit bei 1% zu belassen, damit die langfristigen Zinsen nicht aufgrund einer positiven Inflationserwartung nach oben driften. Bei 3% Inflation und 1% realem Wirtschaftswachstum hätte sich das nominale BIP nach 18 Jahren verdoppelt und die Staatshaushalte würden deutliche Überschüsse vorweisen.

Aber seien sie beruhigt, liebe Leser, so dilettantisch die europäische Politik auch sein mag, das Wirtschaftswachstum der Welt wird in China und den USA bestimmt. Der europäische Binnenkonsum wird meiner Einschätzung nach in den nächsten 10 Jahren stagnieren, aber die Exporte werden die Eurozone vor dem totalen Absturz bewahren.

Viel Erfolg wünscht
Simon Betschinger

Quelle: TradeCentre Börsenbrief Kolumne

Liebe Leser,

an den Märkten wird ein globaler Konjunkturabschwung gespielt! Die Headlines der amerikanischen Finanzzeitungen treffen den Nagel auf den Kopf. Die notwendige Haushaltskonsolidierung in nahezu allen europäischen Staaten könnte den noch jungen Wirtschaftsaufschwung abwürgen. Zuerst predigt die EU-Komission keynesianische Nachfragepolitik, jetzt entlarvt sie sich als strategieloser Narrenhaufen, der genau das Gegenteil von dem macht, was Keynes herausgearbeitet hat. Denn hätte nur einer der Politiker, die sich jetzt für unser Schicksal verantwortlich zeigen, das originale Werk von Keynes gelesen, wäre die Botschaft des Briten klar rübergekommen. Die zentrale Botschaft der “General Theory” lautet: Fallende Preise und Löhne führen zu einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale. Es etabliert sich kein neues, stabiles wirtschaftliches Gleichgewicht.

Besonders hart getroffen werden die konjunktursensitiven Frühzykliker. Kloeckner & Co wurde innerhalb weniger Wochen von 24€ auf 14,5€ durchgereicht. Die Stahlpreise haben ihren oberen Wendepunkt längst erreicht. Überkapazitäten lassen die Stahlpreise fallen.

kloeckner & co

Der Motorenspezialist und Rüstungskonzern Rheinmetall beteiligt sich an einem Rüstungsprojekt-Ausschreibung in den USA für eine neue Panzergeneration. Die Technologie der Deutschen gilt als weltweit führend. Doch das ist Zukunftsmusik. Kurzfristig befürchten Börsianer, dass der neue Sparkurs in den europäischen Staaten auch vor den Rüstungsausgaben nicht halt machen wird. Die Aktie von Rheinmetall hat ihren langfristigen Aufwärtstrend kraftlos aufgegeben.

rheinmetall

Auf fallende Kurse hoffe ich bei Aixtron. Das Unternehmen ist mit seiner Technologie für LEDs und OLEDs Marktführer in einem der am schnellsten wachsenden Volumenmärkte weltweit. 2010 stellt das Management eines Umsatzerwartung von 650 bis 700 Mio. € in Aussicht und will eine EBIT-Marge von 30% einfahren. Eine solche operative Marge spricht für eine momentan konkurrenzlose Marktposition, jedoch locken diese Gewinnspannen zwangsweise Konkurrenten an. Solche hohen Gewinne unterliegen im kapitalistischen System einem selbstmörderischen Reiz. Allein die Tatsache ihrer Existrenz begründet ihren baldigen Untergang durch den Markteintritt konkurrierender Unternehmen. 2,2 Mrd. € Börsenwert sind mir eindeutig zu viel, angesichts des Drohpotenzials neuer Konkurrenz, die zwangsweise kommen wird, liebe Leser. Ich tippe in in den nächsten Woche auf weiter fallende Kurse. Seien Sie vorsichtig mit diesem Wert!

Aixtron

Wenn Sie mir nicht glauben, dass bei Aixtron die Marktkräfte des kapitalistischen Systems zuschlagen werden, dann rufen Sie sich einfach meine Einschätzungen zu Solaraktien wieder ins Gedächtnis. Ich verwendete das Wort “Untergang” und genau das ist es was mit diesen Titeln passierte. Untenstehend sehen Sie exemplarisch die Kursentwicklung von Solarword. Das Management macht derzeit übrigens das Dümmste was man meiner Meinung nach tun kann. Es hat ein Aktienrückkaufprogramm beschlossen. Klüger wäre es das Geld für die Zukunft aufzusparen. Die Solartechnologie von heute wird mit der Solartechnologie in zwei Jahren nicht konkurrieren können. Für neue Solarfabriken wird Solarword das Geld noch dringend benötigen.

Solarworld

Liebe Leser,

seit dem Crashtief im März 2009 hat der DAX keine heftige Korrekturbewegung mehr absolviert, die von Irrationalitäten begleitet wurde. Dementsprechend dürftig waren die Gewinnchancen in den anschließenden Erholungsbewegungen. Aktien, die effizient gehandelt werden, versprechen Rendite von jährlich vielleicht 10%. Sobald alle Informationen auf dem Tisch liegen und die Assetmanager der großen Fondsgesellschaft ihre Cashflow-Kalkulationen durchführen können, entspricht der gegenwärtige Kurs recht genau dem Gegenwartswert der zukünftigen Zahlungsüberschüsse.

Ohne Unsicherheiten wären die Märkte ein langweiliges Unterfangen, doch glücklichwerweise verläuft die Entwicklung des kapitalistischen System nicht in geordneten Bahnen. Das System befindet ich in einem ewigen Kreislauf von Kontraktionen und Expansionen. Besonders spannend wird die Börse wenn der Markt eine Kontraktion des Systems erwartet. Dann werden dem Assetmanager die Kalkulationsgrundlagen entzogen. Die Zukunft wird unsicher, kaum vorhersagbar und unter dem Eindruck fallender Kursen erscheinen sogar die pessimistischsten Zukunftsszenarien auf einmal realistisch. Ein Assetmanager, der seinen Kalkulationsgrundlagen beraubt wurde, baut Cash auf und hält sich mit neuen Engagements zurück. Jetzt kommt es zu einer Phase, in denen Aktien und andere Wertpapiere fern ab ihrer fairen Wert gehandelt werden und Spielball der Emotionen sind. Es ist die Phase, in der die Grundlage für neue Big Money Trades gelegt wird.

An meiner Performanceübersicht können Sie sehen, dass ich 2009 mit meinem Trading-Depot 362.000€ verdient habe. Das war nur möglich, weil ich im Crash aktiv war und die Sonderangebote genutzt habe. Dialog Semiconductor hatte ich zu 0,81€ gekauft, Praktiker zu 3,62€, Kloeckner & Co zu 7,09€, Nemetschek zu 5,33€, Drillisch zu 1,08€. All diese Aktien haben sich seit ihren Tiefs vervielfacht. Untenstehend finden Sie eine Depotübersicht von mir von Anfang April 2009, die ich aus dem Premium-Blog kopiert habe:

Depotauszug von Anfang April 2009

Irrationale Kursverwerfungen waren schon immer die Basis für Kursvielfachungen!
trading05042009

Ihr Einwand, dass ich angesichts meiner perfekten Einstieg eigentlich deutlich mehr hätte verdienen müssen, ist gerechtfertigt. Ich habe 2009 was eine saubere Trading-Systematik angeht, komplett versagt. Aber das ist ein anderes Thema…Wenn Sie die ersten Einstieg auf den Tiefs von Korrekturen richtig hinbekommen, dann ergibt sich der Rest von alleine und Sie haben die Möglichkeit ihr Portfolio zu vervielfachen. Das ist es was ich schon seit Jahren praktiziere. Mein Trading-Depot macht die ganz großen Sprünge immer nur nach Korrekturphasen, wenn neue Trends entstehen, die über mehrere Monate Bestand haben.

Fazit: Ich wiederhole es für meine Leser schon seit Jahren gebetsmühlenartig. Crashs sind die Grundlage für außerordentlich hohe Depotgewinne. Bleiben Sie in schlechten Börsenphasen unbedingt am Ball und verfolgen Sie die Entwicklungen. Wenn Sie eine Timing-Hilfe benötigen, wann der richtige Zeitpunkt zum Einstieg ist, bietet Ihnen meine Vorgehensweise im Premium-Blog eine wertvolle Orientierung.

Liebe Leser,

die provokative These, die Schumpeter in “Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie” aufwirft, lautet: Der Kapitalismus wird seiner inneren Entwicklungsdynamik zum Opfer fallen und einer neuen Gesellschaftsform, dem demokratischen Sozialismus weichen. Einige von Schumpeters Argumenten habe ich zusammengefasst. Sie lesen einen Auszug aus meiner Arbeit “Schumpeters Wirtschaftsmodell…“. Ein ausführlichere Abhandlung von mir zu diesem Thema wird vermutlich schon nächsten Monat als Buch erscheinen.

Schumpeter über die Zukunft des kapitalistischen Systems

Nach Abschluss seiner Arbeiten an „Business Cycles“ widmete sich Schumpeter sechs Essays, nach eigenen Angaben zur Entspannung, um diese in einem „kleinen“ Buch zu veröffentlichen. Aus diesem Plan entstand „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“, sein erfolgreichstes Buch, das bis heute in über 20 Sprachen übersetzt wurde und in mehrfachen Auflagen weltweit erschienen ist. Eine Beurteilung von Schumpeters Wirtschaftstheorie wäre unvollständig, ohne auf die Konsequenzen der inneren Entwick-lungsdynamik des kapitalistischen Systems einzugehen, die Schumpeter rein wissen-schaftlich versuchte aufzuzeigen. „Kann der Kapitalismus weiterleben?“, fragt Schumpeter den Leser im Prolog seines zweiten Kapitels und gibt postwendend die Antwort: „Nein, meines Erachtens nicht!“ Seine These lautet, dass der Kapitalismus aufgrund seines radikalen Strebens nach Veränderungen zwangsweise einem anderen Wirtschaftssystem werde weichen müssen, das er als „demokratischer Sozialismus“ bezeichnet. Durch die bloße Art seines Funktionierens würde der Kapitalismus politische Bestrebungen begünstigen, „die seinem Funktionieren entgegenarbeiten.“ Wenn ein Liebhaber und intimer Kenner des kapitalistischen Systems, der sein ganzes Leben regelrecht davon besessen war, die Geschichte und Funktionsweise des Kapitalismus zu erforschen, solche Schlussfolgerungen aufstellt, sollten wir diesen Argumenten unsere Aufmerksamkeit widmen.

Der Kapitalismus ist einer ständigen „Atmosphäre der Feindschaft“ ausgesetzt. Seine Errungenschaften werden ignoriert, Unzulänglichkeiten der Gesellschaft werden ihm vorgeworfen. Jede andere öffentliche Meinung als eine Sympathie für antikapitalistische Interessen gilt als antisozial und unmoralisch. Diese Haltung ist schwer mit den objektiven Fakten zu rechtfertigen, die der kapitalistische Wachstumsmotor hervorgebracht hat. Von 1870 bis 1930 betrug die durchschnittliche Wachstumsrate der Gesamterzeugung 3,7 Prozent. Schumpeter stellte zur Veröffentlichung seines Buches die gewagte Prognose auf, als vieler seiner Zeitgenossen die große Depression als das Ende des Wachstums deuteten, dass in den kommenden 50 Jahren ein durchschnittliches Wachs-tum von 2% zu erreichen sein würde. Das verfügbare Geldeinkommen für den Konsum würde sich im Jahr 1978 ungefähr auf das 2,7-fache der Summe von 1928 belaufen. Nicht mit eingerechnet in dieser Zahl sind die zahlreichen Qualitätsverbesserungen der Güter, die sich in den Statistiken nicht widerspiegeln. Für den einfachen Arbeiter, dessen Arbeiterbudget im Zeitraum 1760 bis 1940 nicht einfach nur zugenommen, sondern auch einen „Prozess der qualitativen Veränderung“ durchlief, hat die kapitalisti-sche Revolution enorme Wohlstandsgewinne hervorgebracht: „es stehen dem modernen Arbeiter gewisse Dinge zur Verfügung über die Ludwig XIV. entzückt gewesen wäre,…, zum Beispiel die moderne Zahnbehandlung.“ Auch gibt es keine Beweise für die viel-fach unterstellte Tendenz, dass die Schere zwischen Reichen und Armen größer wird. Während der letzten hundert Jahre sind die relativen Anteile am Volkseinkommen we-sentlich gleich geblieben und sogar jegliche Hinweise fehlen dafür, dass das kapitalistische System den Prozentsatz der Arbeitslosen über die Zeit vergrößert.

Woher kommt also die allgegenwärtig spürbare Feindschaft gegenüber dem Kapitalismus? Es liegt in seiner Natur begründet: „Er stellt…eine Wertordnung, eine Einstellung zum Leben, eine Kulturform dar, und zwar diejenige der Ungleichheit und des Familienvermögens“. Die Bereitstellung neuer Produkte auf den Märkten ist unweigerlich mit einem Prozess verbunden, „der unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft. Dieser Prozess der schöpferischen Zerstörung ist das für den Kapitalismus wesentliche Faktum. Darin besteht der Kapitalismus und darin muss auch jedes kapitalistische Gebilde leben.“ Jeder einzelne Konzern und jede einzelne Industrie muss „in seiner Rolle im ewigen Sturm der schöpferischen Zerstörung gesehen werden.“ Jeder Geschäftsmann und jeder Arbeiter fühlt sich dieser ständigen Bedrohung ausgesetzt. Das Eindringen einer neuen Branche oder Produktgruppe in einen etablierten Wirtschaftsraum führt zu Werksschließungen und Entlassungen. Der Schuldige dieser vielen kleinen Tragödien brennt sich in den Köpfen der Menschen fest: Das kapitalistische System. Kurzzeitige Arbeitslosigkeit, auch wenn sie vorübergeht, ist eine unausweichliche Begleiterscheinung der schöpferischen Zerstörung und sie stellt das Drohmittel dar, für das der Kapitalismus in Geisel genommen werden kann. Das soziale Versprechen die Arbeitslosigkeit zu beseitigen ist der Grund dafür, dass „die sozialistische Ordnung einen Überlegenheitsanspruch erhebt.“ Die wohlstandschaffenden Leistungen des Kapitalismus werden nur auf lange Frist sichtbar, „jedes prokapitalistische Argument muss auf langfristigen Überlegungen beruhen. Auf kurze Frist beherrschen Profit und Erfolglosigkeit das Bild….Um sich mit dem kapitalistischen System zu identifizieren, müsste der Arbeitslose von heute sein persönliches Schicksal und der Politiker von heute seine persönlichen Ambitionen vergessen.“ Die Masse denkt kurzfristig, verabscheut individuelle Unsicherheit und zeigt kaum Bestrebungen rationales Denkvermögen zu entwickeln. Die schützende Schicht, die den Kapitalismus und die langfristigen Interessen der Gesellschaft verteidigen muss, sind folglich die oberen Schichten der bürgerlichen Gesellschaft.

Der Kapitalismus tendiert dazu seine schützenden Schichten einzureißen. Hauptverantwortlich dafür ist eine neue Organisationsform, die das kapitalistische System selbst hervorgebracht hat, nämlich der Großkonzern mit der Tendenz zur Mechanisierung und Bürokratisierung des technischen Fortschritts in industriellen Rieseneinheiten. „Geschulte Spezialistengruppen“ kümmern sich darum die technische Weiterentwicklung voranzutreiben, damit stetig verbesserte Produktvariationen auf die Märkte geschleudert werden. Diese „vollkommen bürokratisierte industrielle Rieseneinheit verdrängt nicht nur die kleine oder mittelgroße Firma und expropriiert ihre Eigentümer, sondern verdrängt zuletzt auch den Unternehmer.“ Schumpeter folgert daraus, dass die politische Struktur durch die Verdrängung kleiner Firmen samt ihrem Gefolgsleuten zutiefst erschüttert wird, was sich letztendlich an den Wahlurnen zahlenmäßig bemerkbar machen wird. Großkonzerne untergraben das Fundament des verantwortungsvollen Privateigetums. Der Fabrikeigentümer, der mit Herz und Blut die Mauern seiner Produktionshallen errichtet hat und bereit wäre für sein Lebenswerk zu sterben, wird vom Aktienbesitzer des Großkonzerns abgelöst. „Indem der kapitalistische Prozess ein bloßes Aktienpaket den Mauern und den Maschinen einer Fabrik substituiert, entfernt er das Leben aus der Idee des Eigentums…. Ein Eigentum, das von Person und Materie gelöst und ohne Funktion ist, macht keinen Eindruck und erzeugt keine moralische Treuepflicht, wie es die lebenskräftige Form des Eigentums einst tat.“

Mit dem Verschwinden des Unternehmers und seiner überragenden sozialen Funktion verkümmert der Kapitalismus, seinem Wesen nach ein Entwicklungsprozess, und wird durch eine stationäre Wirtschaft abgelöst, deren Profite und Zinsfüße sich „dem Nullpunkt nähern“. Der Unternehmer war in der gesamten Geschichte immer eine Füh-rungspersönlichkeit dessen Aufgabe es war, die Produktionsstruktur zu reformieren und Dinge in Gang zu setzen. Ein Großkonzern hat kein Interesse an einer Revolution der Produktionsstruktur, sondern nur an einer adaptiven Anpassung. Die Forschungstätigkeit der Großkonzerne gleicht einer Verwaltungstätigkeit. Die Angestellten werden mit Gehältern bezahlt die Leistungslöhnen gleichen und sich einzig daran orientieren wie groß oder klein das Angebot an Nachwuchsforschungskräften ist, die von den Universitäten strömen. Der Unternehmergewinn als Belohnung dafür, eine Vision gegen alle Widerstände zu verwirklichen, entfällt bei dieser automatisierten Forschungstätigkeit. Das Kernargument von Schumpeter diesbezüglich lautet: „und diese Mechanisierung des Fortschritts kann das Unternehmertum und die kapitalistische Gesellschaft beinahe ebenso stark beeinflussen, wie es das Ende des wirtschaftlichen Fortschritts täte.“ Ohne Veränderung kann der Kapitalismus nicht existieren.

Quellenhinweis: Die Zitate stammen aus “Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie” von Joseph Schumpeter.

Liebe Leser,

die Märkte stellen sich auf eine längerfristige Deflation ein. Der Bund-Future setzt seine Kursrally fort und notiert so hoch wie noch in den letzten zehn Jahren nicht. Warum ist das so, werden Sie sich fragen, liebe Leser. Wenn die europäischen Staaten nahe an der Pleite sind, müsste doch eigentlich die Risikoprämien und damit der Zinssatz steigen? Stimmt, nur haben Sie die Rechnung ohne den großen Manipulateur, die EZB gemacht. Je länger die EZB den Leitzinssatz weiter bei 1% belässt, desto stärker zieht sie auch die langfristigen Zinsen nach unten. Das funktioniert über ganz einfache Arbitrageüberlegungen. Eine Bank, die damit rechnet, dass der EZB-Leitzins auch in 5 Jahren bei 1% sein wird, kann heute Staatsanleihen mit 5jähriger Laufzeit kaufen und sich zur Finanzierung am Zentralbankgeld bedienen. Wenn die Staatsschulden nicht schleunigst unter Kontrolle gebracht werden, dann wird die EZB bald keine Möglichkeit mehr haben an der Zinsschraube zu drehen, weil sie sonst den Ländern die Refinanzierungsspielräume entziehen würde.

Fazit: Von Inflation ist weit und breits nichts zu sehen, obwohl Inflation jetzt prinzipiell ein gutes Heilmittel wäre, um die Schuldentilgung zu erleichtern. Aber die EZB behält ihre bornierte Politik bei und bereitet damit die Grundlage für japanische Verhältnisse. Der steile Anstieg des Bund Future deutet auf wirtschaftliche Stagnation und stabile Preise hin.

Liebe Leser,

im letzten Blog-Beitrag habe ich Ihnen einen Gedankenansatz geschildert, warum die Chancen sehr gut stehen, dass es in den kommenden zehn Jahren kaum Inflation geben wird und auch das Zinsniveau niedrig bleiben wird. Mit dieser Erwartungshaltung bietet sich zur Finanzierung einer Immobilie folgende Strategie an:

Eigenkapital: 100.000€
Immobilienpreis: 500.000€

- Das Eigenkapital wird zu 5% sicher auf 10 Jahre angelegt.
- Es wird ein Kredit über 200.000€ mit variabler Verzinsung für 10 Jahre aufgenommen. Der Kredit wird nur etwa 1,5% im Jahr kosten (wenn das Zinsniveau gleich bleibt).
- Die weiteren 300.000€ werden als Kredit mit einer Laufzeit von 25 Jahren zu 4% aufgenommen.

Aus dem angelegten Eigenkapital sind brutto gut 160.000€ geworden. Damit kann man den aufgenommen 200.000€ Kredit großteils tilgen.

Fazit: Wenn die Einschätzung stimmt, dass die Inflation niedrig bleiben wird, genau so wie der Zins, kann man über einen variablen Kredit eine Immobilie sehr günstig finanzieren, wenn man das Eigenkapital gleichzeitig zu den noch höheren 10jährigen Zinsen anlegt. Spekulieren kann sich lohnen!

18
Mai

Liebe Leser,

wie entsteht Inflation? Weil alle Angst vor Inflation haben, niemand aber so genau zu wissen scheint, wie sie eigentlich entsteht, werde ich die bestehenden Inflationstheorien übersichtlich in drei Gruppen einordnen.

Am bekanntesten ist wohl der Monetarismus, auf den sich derzeit alle berufen. Inflation ist dem Monetarismus nach immer ein Phänomen der Geldmenge. Wenn sich die Geldmenge verdoppelt, so sagt der Monetarist, wird sich langfristig auch das Preisniveau verdoppeln. Eine zweite Gruppe von Inflationstheorien beschäftigt sich mit der Erwartungshaltung (expectation building). Wenn die Mehrzahl der Menschen erwartet, dass Inflation eintreten wird, werden sie höhere Löhne fordern, höhere langfristige Preise in Verträgen vereinbaren und höhere Zinsen verlangen. Die Inflation entsteht demnach also ursächlich aufgrund der Inflationserwartung, die dann im zweiten Schritt eine höhere Geldmenge induziert. Die dritte Gruppe von Inflationstheorien geht maßgeblich auf den großen Meister John Maynard Keynes zurück. Inflation entsteht schlichtweg dann, wenn die aggregierte Nachfrage das aggregierte Angebot übersteigt (inflationäre Lücke). Anschaulich können Sie sich das so vorstellen. Wenn die deutsche Industrie über einen Produktionsapparat verfügt, um jährlich zwei Millionen Kraftfahrzeuge zu produzieren (aggregiertes Angebot), plötzlich aber eine Nachfrage nach drei Millionen Kraftfahrzeugen vorliegt (aggregierte Nachfrage), werden die Preise steigen, weil der Ausbau des Produktionsapparates einige Jahre Zeit benötigt und sich Angebot und Nachfrage nur bei höheren Preisen einpendeln.

Ich habe in den letzten Tagen intensiv über die Inflationsproblematik nachgedacht und komme zu dem neuen Schluss, dass es in den kommenden zehn Jahren vermutlich keine nennenswerte Inflation geben wird. Die Mehrzahl der Menschen liegt mit ihrer Inflationserwartung komplett falsch! Grund für meine Annahme ist, dass das Produktionspotenzial der europäischen Industrie weit höher liegt als die aggregierte Nachfrage. Wie sollen die Preise für Autos steigen, wenn sich die Hersteller gegenseitig unterbieten müssen, um ihre Überproduktion loszubekommen? Die Antwort ist: Die Preise können nicht steigen. Sobald hier das Preisniveau stiege, würden chinesische Produkte den Markt überfluten und den Preis wieder drücken. Fazit: Inflation? Kein Chance!

Viel Erfolg wünscht
Simon Betschinger

17
Mai

11:16 Uhr - Der Trade des Lebens II

Liebe Leser,

mit Erleichterung betrachte ich, dass der Bund Future seine Kursrally fortzusetzen scheint. Nach der Ankündigung der EZB, Anleihen klammer europäischer Staaten aufkaufen zu wollen, verteuerten sich die 10jährigen Zinsen schlagartig. Aber so wie es jetzt aussieht, bilden sich an den langen Enden der Zinsstrukturkurve immer noch keine Inflationserwartungen. Sehr gut, denn wie schon ausgeführt, findet der Trade des Lebens auf dem Immobilienmarkt statt. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man sein Haus zu 6%, 4% oder gar 2% finanziert. Wenn Geld nichts mehr kostet, weil sich kein positiven Agio auf heutigem Guthabem gegenüber zukünftigem Guthaben bildet, wäre es unklug, würde man seinen Lebenskonsum nicht in die Gegenwart verlagern. Das gilt besonders für den Kauf einer Wohnimmobilie.

Fazit: Der Plan steht! Den Höhepunkt der Bund Future Hausse muss man zum Kauf einer Immobilie nutzen. Jetzt kommt es auf das genaue Timing an!

Liebe Leser,

der DAX schraubt sich höher und höher und höher. Ich habe eine solche Entwicklung noch nie erlebt. Ähnlich dynanmische Erholungsbewegungen gibt es normalerweise nur nach einer langen Baisse wie 2003 und 2008. Was passiert hier? Ich glaube wir sind mittendrin im größten Shortsqueeze aller Zeiten. Noch vor einer Woche waren die Zeitungen voll vom Kollaps der Eurozone und vom Untergang des Euros. Das hat einmal viele Marktteilnehmer dazu veranlasst Shortpositionen aufzubauen. Aber wie reagieren Menschen in der Realwirtschaft auf die Kollapsängste bezüglich der Währung. Sie flüchten in Sachwerte, vorzugsweise in Immobilien oder konsumieren. Und das bringt die Wirtschaft in Schwung. Auf dieses Phänomen hatte ich sie im Blog-Beitrag: “Das Paradoxon einer Währungs-Vertrauens-Krise” hingewiesen. Nun treffen folgende Puzzleteile aufeinander:

1. Untergangsstimmung und Staatsbankrottängste treiben viele Börsianer in Shortpositionen.
2. Die Realwirtschaft boomt, weil die Menschen konsumieren und Sachwerte kaufen.
3. Die Eurozone spannt einen Rettungsschirm auf und beendet die Bankrottsdiskussionen auf einen Schlag.
4. Die EZB kündigt an, Geld zu drucken, um die Anleihemärkte in schwachen EU-Staaten zu stützen.

Das Ergebnis sind erstens reale Käufe, die zweitens von einem gewaltigen Shortsqueeze begleitet werden. Ich habe soeben im Premium-Blog meine aktuelle Depotübersicht online gestellt. Verfolgen Sie wie ich mit dieser Situation umgehe.

Der DAX-Chart: Einfach unglaublich!

DAX

Liebe Leser,

ich habe in der “Basler Zeitung” einen höchst interessanten Artikel zu möglichen Hintergründen des 1000 Punkte Crashs gefunden: “Sperren gegen den schwarzen Schwan“. Lesen Sie folgenden Abschnitt:

    “Der Auftrag des Universa-Fonds war nicht ungewöhnlich, hatte der doch bereits im Oktober 2008 einen ähnlichen Handel durchgezogen und Milliardengewinne erzielt. Liegt Universa auch diesmal richtig, so kann der Fonds rund 4 Milliarden Dollar einstreichen. Pikant daran ist, dass Nassim Taleb damals wie heute als Berater für Universa tätig ist. Taleb ist Autor eines weit beachteten Werks über die Wahrscheinlichkeit explosiver, unvorhergesehener Börsenereignisse. Sein Modell des schwarzen Schwans gründet auf Diskussionen der antiken Philosophen, die nur von weissen Schwänen wussten, bevor das erste schwarze Exemplar im 17. Jahrhundert in Neuseeland gefunden wurde.

    Der Fonds hält den grössten Teil seiner Mittel in Cash, setzte aber von Zeit zu Zeit massiv auf einen bevorstehenden Börsencrash und hat mit diesem System hohe Renditen erzielt.”

    Genau wie von Nassim Taleb diagnostiziert, war der vergangene Donnerstag ein gutes Beispiel eines Black-SwanVorfalls. Gus Sauter, Chef der VanguardFondsgesellschaft, sagte, letzte Woche sei eine Serie von Systemfehlern zusammengekommen, die es nun auszumerzen gelte, ohne die Handelbarkeit und Liquidität der Börsen zu behindern.

Man kann die Jungs bei Universa wirklich nur beglückwünschen wenn sie ein die Anzeichen eines bevorstehenden Börsencrahs so zielgenau erkannt haben. Taleb schreibt darüber schon seit Jahren Bücher, dass mit ungewöhnlichen Ereignissen, mit denen niemand rechnet, das meiste Geld zu verdienen ist. Ich verneige mich und ziehe meinen Hut, dass er es jetzt geschafft hat, seine Theorien so perfekt umzusetzen.

…dann werden die Börsenumsätze massiv zurückgehen und wir werden ein Phänomen erleben, das in den letzten Jahren in den osteuropäischen Märkten gut zu beobachten war, aber auch an den Börsenplätzen Wien und Zürich. Der Aussagegehalt von Aktiencharts wird sich spürbar erhöhen. In einem Markt, der von Tradern dominiert ist, haben charttechnische Breakouts auf neue Hochs oft nur einen spekulativen Hintergrund. Trader wollen ein paar Prozentpunkt mitnehmen und gehen dann sofort wieder raus. Wenn der reale Verkaufsüberhang zu hoch ist, wird der Chartausbruch gnadenlos abverkauft. In einem Markt, der es durch Transaktionssteuern Tradern unmöglich macht, kurzfristig zu agieren, werden sich in Chartbildern viel stärker fundamentale Informationen widerspiegeln. Die Aktienkurse werden der Spur des besser informierten Kapitals folgen und dem aufmerksamen Spekulanten, der das Treiben verfolgt, wird das nicht entgehen.

Das ist der Grund warum die Trendverläufe in unterentwickelten und nicht effizienten Märkten gleichmäßiger sind und den Chartlehrbüchern des frühen 20. Jahrhunderts entsprechen. Das Prinzip von Konsolidierung und Trendfortsetzung ergibt sich gerade dadurch, dass es wenige Trader gibt, die versuchen nach diesen charttechnischen Informationen zu handeln. Ich schaue deshalb einer Finanzmarkttransaktionssteuer, die unserer - von sozialistischen Motiven verseuchten - politischen Führungsspitze durchaus zuzutrauen ist, gelassen entgegen. Ich glaube sogar, eine solche Steuer würde meine Arbeit erleichtern und ruhiger machen. Wir könnten ganz bequem, liebe Leser, mit großen Sizes die relevanten Breakouts kaufen und einige Wochen liegen lassen!

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